Spreewaldgemeinde Boblitz Willkomen im Spreewald
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Und sie nannten sich „Sorb“


(Nach einem Artikel von Dr. Peter Kunze in der „Lausitzer Rundschau“ vom 7. 10. 2000)
 

Vor allen von den Bürgern der alten Bundesländer wird bei Gesprächen über den Spreewald und die nationale Minderheit der Sorben ( Wenden ) immer wieder die Frage gestellt: "Wie sind denn eigentlich die Sorben in den Spreewald gekommen?"


Verblüfft sind die Fragenden meist, wenn man ihnen zunächst einfach sagt, dass die Sorben schon lange vor den Deutschen im Spreewald waren. Wir wollen das im folgenden etwas näher betrachten.

Die Sorben, die sich im Raum Spreewald selbst auch als Wenden bezeichnen, können auf eine lange Geschichte zurückblicken.


Vor rund 1400 Jahren, in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts, besiedelten 20 miteinander verwandte slawische Stämme ein Gebiet von 40 000 qkm, das sich im Westen bis zur Saale, im Süden bis zum Erz- und Fichtelgebirge, im Osten bis zu den Flüssen Bober und Queiß sowie im Norden bis zu einer Linie Frankfurt / Oder - Jüterbog - Zerbst erstreckte.


Sie nannten sich Sorb oder Serb, was soviel wie der „Seine“, der „Sippenangehörige“ bedeutete.


Die Sorben lebten wie andere Völker zu dieser Zeit, sie betrieben Ackerbau und Viehzucht, ergänzt durch Fischfang, Jagd und Bienenzucht. An der Schwelle vom 8. zum 9. Jahrhundert erlangten der Warenaustausch zwischen den Stämmen sowie der Fernhandel eine zunehmende Bedeutung. Mehrere bedeutende Handelswege durchquerten die Niederlausitz.


Ausgeführt wurden vor allem Pelzwaren, Getreide, Pferde, Salz und Honig. Dafür erhielten die Sorben Waffen, Silber und Schmuck aus Byzanz, Arabien und Skandinavien.


Wie anderswo war in der Niederlausitz die bäuerliche Siedlung, das Dorf, die hauptsächlichste Siedlungsform. Im 7. Jahrhundert begann man mit dem Bau von Burgen, die bald die gesamte Region durchzogen. Allein in der Niederlausitz gab es über 100. Eine solche Slawenburg wird zur Zeit bei Raddusch rekonstruiert.

 
Burg und Siedlung Tornow im 7./8. Jahrhundert
Burg und Siedlung Tornow im 7./8. Jahrhundert
 

Im Schutz solcher Burgen siedelten sich zunehmend Handwerker und Dienstleute an. In Tornow bei Calau gab es eine Gießerei sowie eine Schmiede- und Töpferwerkstatt. In der Burg fanden die Dorfbewohner in Gefahrenzeiten eine Zuflucht. Die Burgen wurden meist bei kriegerischen Auseinandersetzungen oder durch Feuer zerstört und später nicht wieder aufgebaut.


Erst verhältnismäßig spät wurden die Namen einzelner Stämme aufgezeichnet. Der bedeutendste Stamm in der heutigen Niederlausitz waren die Lusizer ( Lunsizi ). Er umfasste nach einer zeitgenössischen Quelle um das Jahr 850 etwa 30 Burgbezirke mit rund 800 Menschen. Das Kerngebiet dieses Stammes erstreckte sich auf die Gegend um Luckau, Lübben und Cottbus. Es erweiterte sich im 10. Jahrhundert beträchtlich nach Süden. Stammeszentrum war die Burg Liubusua, deren Lokalisierung bis heute umstritten ist. Wahrscheinlich lag die Burg bei Luckau.


Ende des 8. Jahrhunderts kam es zu ersten Zusammenstößen zwischen fränkischen und sorbischen Stämmen. Die Lusizer wurden mehrfach unterworfen, erkämpften aber immer wieder ihre Unabhängigkeit. Unter Heinrich I. wurde 932 die von 3000 Kriegern verteidigte Stammesfeste Liubusua erobert. Auf Dauer waren die einzelnen sorbischen Stämme der feindlichen Heeresmacht nicht gewachsen und so verloren die in der Niederlausitz ansässigen sorbischen Stämme 963 entgültig ihre politische Freiheit.


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