Spreewaldgemeinde Boblitz Willkomen im Spreewald
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Der Weißstorch

eine touristische Sehenswürdigkeit des Spreewaldes


Der Weißstorch
Viele Besucher des Spreewaldes sind erstaunt und begeistert, wenn sie den Weißstorch im Spreewald auf Feldern und Wiesen oder mit seinen Jungen im Nest im unmittelbaren Umfeld des Menschen sehen. Der Weißstorch kann durchaus zu den touristischen Attraktionen des Spreewalds gerechnet werden, denn eine beachtliche Anzahl der Weißstörche Deutschlands brütet in der Niederlausitz.
 

Ehrenamtliche Weißstorchenbetreuer beobachten die Störche, erfassen die Besetzung der Nester, die Anzahl der geschlüpften Jungen, sanieren vorhandene Nisthilfen oder helfen bei auftretenden Problemen.
Das Biosphärenreservat Spreewald gehört mit 100 Brutpaaren nach der „Brandenburgischen Elbtalaue“ zu den Regionen mit der höchsten Bestandsdichte in Deutschland. Das ist nicht erstaunlich, denn die Region mit ihren vielen Fließgewässern und reichstrukturierten Landschaftsteilen bietet dem Weißstorch günstige Lebensbedingungen. So wurde der Spreewald in der Vergangenheit auch zum Rückzugsort für die Störche, die mit dem Abbaggern von Orten beim Aufschluss von Tagebauen ihre Nistplätze verloren haben.


Weißstörche werden in der Regel etwa 8 Jahre alt. Gehegestörche haben allerdings auch schon 30 Lebensjahre erreicht. Gefahren für die Störche bilden in Deutschland vor allem die Mittelspannungsstromleitungen, deren Masttraversen von den Störchen gelegentlich auch für den Nestbau ausgewählt werden. Von 1985 bis 2002 sind nachweislich 15 Störche in der Niederlausitz durch Stromtod umgekommen. Nach dem neuen Bundesnaturschutzgesetz werden deshalb diese Strommasten in den nächsten 10 Jahren durchgängig mit Abdeckhauben und anderen Vogelschutzmaßnahmen ausgerüstet. Gefahren lauern auch auf dem langen Flug ins Winterquartier, der die Lausitzer Störche bis nach Südafrika führt. Dabei sind sie „Ostzieher“, d.h. sie nehmen die Route über den Balkan und nicht über die Straße von Gibraltar. Lange Strecken über das Meer fliegen Störche nicht, weil den Segelfliegern über dem vergleichsweise kalten Meer der Aufwind fehlt. Bei diesen Flügen legen die Störche täglich 150- 300 km zurück. Dabei fliegen die Partner getrennt weg und kommen auch getrennt zurück. So kann es der Störchin, die recht spät aus dem Winterquartier kommt, durchaus passieren, das sie eine Andere im Nest bei ihren Partner vorfindet. Das geht dann allerdings nicht ohne Kämpfe ab. Ihre Horste bauen die Störche in einer Höhe von 9-11m überwiegend auf Nestmasten und Strommasten, auf Haus- und Gebäudedächern sowie auf Schornsteinen. Früher gab es überwiegend Standorte auf Reetdächern (sog. Weichdächer) und auf Bäumen. Die Zahl der Baumhorste hat sich leider von 1960 bis 2002 im Altkreis Calau von 15 auf 5 reduziert. Vorbereitete Nester werden oft angenommen. „Wohnungsmangel“ herrscht bei den Spreewälder Störchen nicht, denn allein im Altkreis Calau gibt es zur Zeit 41 unbesetzte Nisthilfen.


Intensiv betriebene Landwirtschaft mit vielen Dünge- und Schädlingsbekämpfungs-mitteln ist dem Bestand an Störchen nicht zuträglich. Aber auch stillgelegte Flächen mit sehr hohen Gräsern und Unkräutern meiden die Störche, weil sie ihre Nahrung vom Boden aufnehmen und sie darin schlecht finden. Dagegen folgt der Weißstorch gern der Mähmaschine oder dem Pflug und frisst die Insekten, Engerlinge, Regenwürmer oder Mäuse, die aufgescheucht oder herausgepflügt werden.


Storchenpaare haben im Jahr durchschnittlich 4-5 Eier. Je nach der Futtersituation entscheiden die Störche, welche Anzahl von Eiern ausgebrütet oder wie viel der geschlüpften Jungstörche aufgezogen werden können. 2002 wurden im Altkreis Calau pro Storchenpaar 2,1 Junge aufgezogen. Gerechnet wurden dabei allerdings auch die Paare ohne Junge und die Gelegeverluste. Berücksichtigt man nur die geschlüpften Jungstörche, ergibt sich ein Durchschnitt von 2,63. Aber auch 4 oder 5 Junge können in günstigen Jahren in einem Horst aufwachsen. Die Jungstörche werden 4 Wochen nur von einem Elternteil gefüttert, dann von beiden. Beim Füttern wird das Futter vom Altvogel aus dem Kropf wieder herausgewürgt und dann vom Nachwuchs aufgenommen.


Seit der ersten internationalen Storchenzählung im Jahre 1934 hat sich bis 1990 die Zahl der Storchenpaare im Altkreis Calau von 39 auf 30 vermindert, ist seitdem aber stabil. Die Tendenz geht eher zu einer Erhöhung der Anzahl der Brutpaare; vermutlich durch Zuzug aus Westpolen, denn die Bedingungen haben sich in unseren Raum nicht verbessert. Der Umfang des ökologischen Landbaus ist in der Region dafür noch zu gering.


Die Störche im Altkreis Calau betreut der ehemalige Kraftwerkstechnologe und heutige Rentner Wolfgang Köhler ( Lübbenau, Franz-Liszt-Str.13, Tel. 03542/2015), der 1968 aus Zittau nach Lübbenau kam. Bereits seit seiner Kindheit an der Vogelkunde interessiert, engagierte er sich in seiner Freizeit im Kulturbund der DDR, Fachgruppe Ornithologie und Vogelschutz. Seit 1978 kümmert er sich um die Bestandserfassung der Weißstörche im Altkreis Calau. Ab 1991 leitet er die Kreisbetreuer als Weißstorchenbeauftragter der Niederlausitz im Weißstorchinformationszentrum und Sitz des NABU in Vetschau an.


Regelmäßige jährliche Aufzeichnungen gibt es im Altkreis Calau seit 1963. Der älteste bekannte, aber heute nicht mehr besetzte Standort eines Storchennestes in Lübbenau befand sich von der Jahrhundertwende bis 1999 in der Brauhausgasse, wo im Januar 1985 die Nisthilfe neu aufgebaut wurde. Den vermutlich ältesten noch besetzten Horst findet man seit 1955 auf dem Feuerwehrturm in Lehde. Im Altkreis Calau wurden beispielsweise 1994 57 flügge Jungstörche bei 30 Brutpaaren gezählt und Lübbenau rechnet seit Jahren mit 7-8 Brutpaaren zu den „Storchendörfern“.


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